Einordnung

Einmal verbinden. Mit jeder KI nutzen.

Kalender, E-Mails, Notizen, Datenbanken. MCP ist der gemeinsame Standard, mit dem KI Ihre Werkzeuge nutzt, wenn Sie es freigeben. Was Sie einmal verbinden, funktioniert mit jeder KI, die die Sprache "MCP" spricht.

Pixel-Art-Szene: Eine Eule (für die Nutzerin) verbindet ein Kabel mit einem Förderband-Roboter, während eine Glühbirne (für die KI) auf einem Laptop sitzt. Eine bildhafte Darstellung der Verbindung zwischen Mensch, KI und Werkzeugen über MCP.

Stand · 11. September 2026Lesezeit 6 MinUnabhängige Informationsseite

Einordnung

Was viele denken. Und was wirklich neu ist.

MCP klingt nach neuer Fähigkeit. Ist es nicht.

KI kann Werkzeuge nutzen. Sie kann Termine eintragen, in Datenbanken nachschlagen, E-Mails versenden. Auch Antworten aus aktuellen Quellen statt aus dem Trainingsgedächtnis. Das geht auch ohne MCP.

Aber jede Verbindung muss einzeln gebaut werden. Pro KI-Anwendung neu. Was in ChatGPT funktioniert, geht nicht in Claude. Wer die KI wechselt, fängt wieder bei Null an. Wer ein neues Werkzeug anbieten möchte, brauchte für jede KI eine eigene Anbindung.

MCP ändert genau das. Es ist ein gemeinsamer Standard¹. Wird ein Werkzeug einmal MCP-fähig gemacht, kann jede KI, die MCP spricht, es nutzen. Ohne neue Anbindung. Ohne Sondervertrag. Ohne Wechselkosten.

Das hat zwei Folgen. Sie sind nicht mehr an einen KI-Anbieter gebunden. Und das Ökosystem wächst schneller, weil ein Werkzeug nur einmal MCP-fähig sein muss, statt für jede KI separat.²

MCP gibt KI keine neue Fähigkeit. Es gibt allen KI dieselbe Sprache.

Kernaussage

Was USB-C zwischen elektrischen Geräten ist, was Twint zwischen Banken ist, ist MCP zwischen KI und Werkzeugen. Ein gemeinsamer Standard. Eine Verbindung, die einfach funktioniert.

Analogie

Erst USB, jetzt MCP.

USB kennen Sie. Aus Ihrem Telefon, Ihrem Laptop, Ihrer Kamera. Heute selbstverständlich. Vor einigen Jahren noch nicht.

Damals hatte jedes Gerät seinen eigenen Stecker. Drucker, Kameras, Tastaturen. Alles unterschiedlich. Wer ein neues Gerät anschloss, brauchte oft einen eigenen Treiber.

Dann setzte sich USB-C durch. Ein einziger Stecker, den alle Geräte verstehen. Heute kommt jedes neue Gerät damit auf den Markt. So können Sie heute mit dem gleichen Kabel verschiedene Smartphones aufladen oder können alle möglichen geräte an ihren Laptop anschliessen ohne das die Laptop hersteller wissen müssen was sie alles anschliessen wollen.

So ist es heute bei KI. Was USB-C für Geräte wurde, ist MCP für KI: der eine Anschluss, den alle verstehen.

Pixel-Art-Illustration: Ein USB-C-Kabel liegt in einer geschwungenen Kurve. Darüber schweben drei kleine Geräte (Laptop, Notizbuch, Datenbank), die noch nicht angeschlossen sind. Sinnbild dafür, dass jede KI über denselben Standard mit jedem Werkzeug verbunden werden kann.

Begriff

MCP heisst:
Model Context Protocol.

Drei Wörter, die genau beschreiben, worum es geht: wie eine KI sich in ihrer effektiven Situation zurechtfindet.

Model
Die KI selbst, also das Programm, das Sprache versteht und Antworten formuliert. In der Fachsprache: das Sprachmodell.
Context
Alles, was die KI zur Beantwortung braucht und nicht aus dem Training kennt. Aktuelle Daten, echte Werkzeuge, Verbindungen zu realen Programmen. Eine Beschreibung ihrer aktuellen Situation und Möglichkeiten.
Protocol
Die Regeln, nach denen Modell und Kontext miteinander sprechen. Wer wen wann fragt, in welcher Form, mit welcher Antwort.

Das wichtigste Wort in diesem Namen ist wie immer das Letzte, Protocol.
Es geht also um die Regeln wie KI und Kontexte kommunizieren. Es geht um einen Standard. Desshalb ist MCP auch nur dann besonders wichtig wenn mehrere KI und mehre Kontext zusammenspielen wollen. Es geht nicht um die Funktionalität selber, das wird oft falsch verstanden.

Funktion

Was «Kontext» in der Praxis heisst.

Im Abschnitt oben steht: Kontext ist alles, was die KI nicht aus dem Training kennt. In der Praxis fällt das in zwei Bereiche.

Funktion 01·Wissen

KI, die aus echten Quellen antwortet.

Pixel-Art-Szene: Die Glühbirne (Symbol für die KI) holt ein Buch aus einem Bücherregal, das über ein USB-C-Kabel angeschlossen ist, und reicht es der Eule (Symbol für die Nutzerin).

KI kann auf echte Quellen zugreifen: Rechtsdatenbanken, Produkthandbücher, interne Dokumentationen. Die Intelligenz kommt vom Modell. Die Fakten kommen aus der Quelle, der Sie ohnehin schon vertrauen.

Funktion 02·Handeln

KI, die etwas tut, nicht nur sagt.

Pixel-Art-Szene: Die Glühbirne (Symbol für die KI) steuert über ein USB-C-Kabel einen Roboterarm, der ein Paket auf ein Förderband legt. Das Förderband führt zur Eule (Symbol für die Nutzerin).

KI kann in Programmen handeln: Termine eintragen, Dateien erstellen, Nachrichten versenden. Bei jedem Schritt fragt sie zuerst. Sie zeigt Ihnen, was sie als Nächstes tut. Sie können bestätigen oder abbrechen.

Beides funktioniert auch ohne MCP. Jede grosse KI-Anwendung bietet heute eigene Systeme dafür. Die Funktionen ähneln sich, aber jedes System ist geschlossen. Zwei Beispiele zeigen, was das konkret bedeutet.

Bestandteile

Zwei Bestandteile. Ein Standard.

Zwei Bestandteile sind beteiligt: ein Host und ein Server. Die KI ist Teil des Hosts. Sie kennen sich nicht, bevor sie sich verbinden, und müssen es auch nicht. Was zwischen ihnen ausgetauscht wird, läuft in beide Richtungen. Wer keine Details mag, kann den Rest dieses Abschnitts überspringen. Die Hauptbotschaft steht schon oben.

Bestandteil 01·Anwendung

MCP Host

Die KI-Anwendung, mit der Sie sprechen. ChatGPT, Claude, Copilot, Cursor.³ Im Host läuft die KI selbst. Er nimmt Ihre Anfrage entgegen und entscheidet, welche MCP Server er nutzt, um sie zu beantworten. Über MCP stellt der Host dem Server drei Funktionen zur Verfügung:

Sampling: KI-Modell teilen.Der Server kann das Modell des Hosts nutzen, etwa um eine Liste von Optionen zu beurteilen oder einen Vorschlag zu formulieren.

Wie ein Restaurant, das sich die Übersetzung der Speisekarte beim Hotel um die Ecke besorgt. Der Server muss keine eigene KI betreiben. Er borgt sich die, die im Host ohnehin schon läuft. Bevor das Modell antwortet, kann der Benutzer den Auftrag prüfen und freigeben.

Elicitation: Rückfrage stellen.Der Server kann den Host bitten, dem Benutzer eine Rückfrage zu stellen, etwa welcher Sitzplatz im Flugzeug bevorzugt wird, bevor eine Buchung abgeschlossen wird.

Wie ein Schalterbeamter, der einen Zettel zurückschickt: «Bitte tragen Sie noch das Geburtsdatum nach.» Der Server hält die Bearbeitung an, bis die fehlende Information vom Benutzer kommt, und macht dann mit dem ergänzten Auftrag weiter.

Roots: Wirkungsbereich abstecken.Der Host teilt dem Server mit, in welchen Ordnern er arbeiten soll. Etwa nur im Reise-Ordner, nicht im Steuer-Ordner. Ein gut entwickelter Server hält sich daran.

Wie eine Putzkraft, der Sie vorab sagen: «Wohnzimmer und Küche, ja. Schlafzimmer nicht.» Eine vorab abgesteckte Grenze, damit der Server nicht versehentlich an Stellen arbeitet, die für ihn nicht gedacht sind. Roots sind eine Absprache, keine technische Sperre.

Bestandteil 02·Werkzeug

MCP Server

Eine kleine Software, die ein Werkzeug oder eine Quelle für MCP zugänglich macht. Ein MCP Server für Ihren Kalender. Einer für eine Steuerdatenbank. Über MCP stellt der Server dem Host drei Funktionen zur Verfügung:

Tools: Aktionen.Aktionen, die die KI auf Anfrage ausführen kann. Einen Termin eintragen, eine E-Mail versenden, eine Datenbank abfragen.

Wie die Knöpfe einer Fernbedienung. Jeder Knopf macht eine klar abgegrenzte Sache. Die KI bekommt eine Liste der verfügbaren Knöpfe und drückt im richtigen Moment den passenden. Heikle Aktionen lassen sich vor dem Drücken bestätigen.

Resources: Quellen.Daten, aus denen die KI lesen kann. Eine Datei. Ein Datenbankeintrag. Der Inhalt einer Wissensbasis.

Wie ein Aktenschrank, in den die KI hineinschauen darf. Sie liest, was nötig ist, ändert aber nichts. Der Schrank gehört weiterhin Ihnen, und Sie entscheiden, welche Fächer überhaupt offenstehen.

Prompts: Vorlagen.Vorgefertigte Vorlagen für wiederkehrende Aufgaben. Eine Anleitung, wie eine Reise geplant oder eine Sitzung zusammengefasst wird.

Wie ein Formular auf dem Amt. Die Struktur ist vorgegeben, die Details tragen Sie ein. Statt jedes Mal frei zu formulieren, bekommen Sie eine geprüfte Vorlage, die mit den Werkzeugen und Quellen des Servers schon richtig zusammenspielt.

Funktionsweise

Wie MCP funktioniert, in einem Absatz.

Ihr Kalender. Eine Rechtsdatenbank. Eine Produktdokumentation. Einmal MCP-fähig, für jede KI nutzbar.

Welche Werkzeuge und Quellen verfügbar sind, legen Sie oder Ihre IT einmalig fest. Danach nutzt die KI sie automatisch, wenn Ihre Frage dazu passt. Bei vielen vorbereiteten Integrationen genügt eine einmalige Bestätigung, etwa in ChatGPT, Claude, Perplexity oder Copilot. In anderen Fällen tragen Sie eine Adresse ein und melden sich an. Ähnlich wie bei «Mit Google anmelden».⁴

Sie behalten die Kontrolle. Sie oder Ihre Organisation bestimmen, welche Verbindungen Ihre KI nutzen darf. Die KI kann nicht eigenmächtig auf Werkzeuge oder Quellen zugreifen, die nicht freigegeben wurden. Wo Ihre Daten gespeichert werden, hängt weiterhin vom Anbieter ab. MCP regelt, wie KI mit Werkzeugen und Quellen spricht. Nicht, wohin Ihre Daten fliessen.⁵

Werkzeuge und Quellen müssen nicht mehr für jede KI separat angepasst werden. Wird etwas einmal MCP-fähig gemacht, ist es danach für alle MCP-fähigen KI nutzbar. So wächst das Ökosystem schneller. Mehr Werkzeuge, früher verfügbar.

MCP wurde ursprünglich von Anthropic entwickelt, der Firma hinter Claude. Seit Ende 2025 pflegt die Linux Foundation den Standard als offenes Projekt. OpenAI, Google, Microsoft und AWS unterstützen ihn gleichermassen. Hinter MCP steht heute kein einzelner Anbieter.⁶